Jahresbrief 2011

 

   

Graz, Oktober 2011

 

         

          Liebe Mitglieder der Vereinigung der Wunderbaren Medaille für Österreich!

 

 

          Die ersten Wunderbaren Medaillen wurden nach einem Entwurf des Lazaristen und Beichtpriesters von Schwester Katharina Labouré Herrn Jean M. Aladel vom Juwelier Vachette 1832 in Paris geprägt. Wegen der Rückseite der Medaille war Herr Aladel in Verlegenheit. Entgegen seinen Gewohnheiten fragt er Katharina im Beichtstuhl um Rat: „War da nicht noch eine andere Inschrift als die auf der Vorderseite?“ Katharina weiß es nicht mehr. Sie wird beten. Bei der nächsten Beichte gibt sie die Antwort, die sie in ihrem betrachtenden Gebet erhalten hat. „Das M und die beiden Herzen sagen genug.“

 

          Schwester Katharina erwähnt nirgends in den Aufzeichnungen, die uns erhalten geblieben sind, die zwölf Sterne, die besonders auf der Rückseite der Medaille einen ausgezeichneten Platz erhalten haben. Sie sind ein Sinnbild des erwählten alten und neuen Gottesvolkes und wurden in der Tradition ein besonderer Schmuck Mariens, die immer deutlicher als Urbild der Kirche erkannt wurde. Ob die Sterne fünf oder sechs Zacken aufweisen sollen, wie gelegentlich diskutiert wird, ist nebensächlich. Beides lässt sich christlich deuten: entweder als die fünf Wundmale Christi oder als Hinweis, dass Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen hat.

 

          Katharina erhält ihre erste Medaille Anfang Juli 1832 - so wie alle anderen Schwestern in der Gemeinschaft. Sie betrachtet sie. Hatte sie einen Entwurf gesehen? Wir wissen es nicht. Was mag sie wohl empfunden haben? Sie äußert sich nicht. Sie war wohl glücklich, dass die Medaille endlich geprägt worden ist und dass das Wesentliche ausgeführt war. „Jetzt muss man sie verbreiten“, sagt sie, mit der Gewissheit, dass Gott das Übrige tun werde.

 

          Die Rückseite der Medaille weist auf das Geheimnis des Kreuzes Christi hin, an dem Maria, seine Mutter in besonderer Weise Anteil hat. Maria leidet mit ihrem Sohn. Unter dem Kreuz stehend, gibt Jesus sie dem Jünger zur Mutter, sie wird so Mutter der Kirche. Die Herzen Jesu und Mariä, das eine mit der Dornenkrone umwunden, das andere vom Schwert durchbohrt, sind in den Stunden der Schmerzen, die zugleich die Geburtsschmerzen für die Kirche und eine neue Welt darstellen, aufs Innigste verbunden. Bei der Diskussion, die besonders in Österreich um Reformen in der Kirche geführt wird, möchte man an dieser Stelle allen Beteiligten zurufen: „Bedenket der Schmerzen unter denen sie, die Kirche, und damit ihr geboren wurdet. Gedenket auch der Schmerzen Eurer himmlischen Mutter.“

 

          Maria ist die betende Frau unter dem Kreuz, die „neue Eva“, die angesichts des Erlösungsleidens ihres Sohnes, die ganze Welt und jeden einzelnen Menschen Gott im Gebet darbringt. So hat sie Schwester Katharina am 27. November 1830 zuerst gesehen: Als mächtig betende Jungfrau (Virgo potens) mit einer Kugel, die die Welt (die Schöpfung) und jeden einzelnen Menschen bedeutet, in ihren Händen. Von den Händen, bzw. von den Ringen an ihren Fingern gingen Strahlen der Gnaden nach unten hin weg. Maria stand auf einer halb sichtbaren Erdkugel und streckt in der Folge ihre Hände uns entgegen, die wir noch auf dieser Erde leben.

 

          An Strahlen der Gnaden durfte sich heuer im August eine Gruppe von österreichischen Weltjugendtagsteilnehmern erfreuen. Sie nahmen mit ihren Begleitern, von denen ich einer sein durfte, zuerst am 3-tägigen Vorprogramm teil, das die internationale vinzentinisch-marianische Jugend, die Nachfolgeorganisation der Marienkinder, in Madrid organisiert hatte. Interessante Vorträge und Gespräche, Besuche in karitativen Einrichtungen der Vinzentinischen Gemeinschaften in Madrid (Barmherzige Schwestern, Vinzenzgemeinschaften, Lazaristen), sowie begeisternde Gottesdienste und Feiern standen auf dem Programm. Das vinzentinische Charisma der im Alltag und als Gemeinschaft gelebten christlichen Nächstenliebe spricht auch und gerade die Jugend von heute an, das wurde dabei für uns alle offensichtlich. So möchte ich Ihnen, liebe Mitglieder unserer Vereinigung, zunächst danken und dann bitten, weiterhin durch Gebet und tätige Sorge dazu beizutragen, dass die Botschaft der Medaille alle, Jung und Alt, in unserer Umgebung erreiche und viele Menschen die Erfahrung des vinzentinischen Charismas, der Begegnung Christi im Nächsten, im Armen machen können.

         

          Mit Ihnen im Gebet, besonders aber in der Feier des diesjährigen Medaillenfestes Ende November, verbunden, grüßt und segnet Sie/Dich

 

 

 

Alexander Jernej CM