Graz, Oktober 2010

 

         

          Liebe Mitglieder der Vereinigung der Wunderbaren Medaille für Österreich!

 

 

          „Heute habe ich besonders viel und Wichtiges zu tun, heute muss ich mehr beten.“ – So lautete die Devise des hl. Vinzenz von Paul und vieler anderer Heiliger. Katharina Labouré hat das als junge Schwester bereits verstanden. Sie schreibt als Erinnerung an die feierliche Übertragung der Reliquien des hl. Vinzenz im April 1830 in die neue Mutterhauskirche der Lazaristen in Paris nieder: „Ich bat den hl. Vinzenz um alle Gnaden, die ich brauchte, und auch für die beiden Gemeinschaften und für ganz Frankreich.“

          Gebet und Leben als Einheit verstehen, aus der Kraft und dem Licht des Gebetes heraus handeln, im Gebet auch für das Wirken anderer vor Gott eintreten, das hat Katharina Labouré getan, dazu war sie fortwährend bereit. Der Himmel hat ihr mehr gegeben, als sie sich ausdenken konnte, nämlich eine Antwort und ein Zeichen für die ganze Welt, für alle Menschen, besonders für jene, die Bedrängnisse erfahren:

          Da ist zunächst das Gebet vor dem Tabernakel, auf das Maria im Juli 1830 Katharina und uns hinweist: „Kommt zu den Stufen des Altares. Da werden die Gnaden über alle Menschen strömen, die mit Vertrauen und Eifer darum bitten, über Groß und Klein.“

          Und dann folgt am 27. November desselben Jahres der Hinweis auf das Gebet in Verbundenheit mit Maria, bekräftigt durch die Medaille und ihre Botschaft. Die Strahlen, die von den Händen Marias auf die Welt herabströmen, symbolisieren die Gnaden, die Maria durch ihr Gebet für die Menschen erwirkt, so wie es freilich auch Edelsteine an den Händen Marias gibt, von denen keine Strahlen ausgehen: „Das sind die Gnaden, um die man mich zu bitten vergisst.“ Eine „Medaille gegen das Vergessen“ könnte man die Wunderbare Medaille in diesem Sinne auch nennen.

 

          Und nun zu einem aktuellen Thema unserer Vereinigung: Vor mehr als zwei Jahren hat der Generalrat der internationalen Vereinigung der Wunderbaren Medaille (AMM) begonnen, neue internationale Statuten zu erarbeiten. Das Ziel war, die weltweite Vereinigung den neuen Verhältnissen in Kirche und Welt besser anzupassen und die Richtlinien des großen Pastoralplans von Papst Johannes Paul II für das 21. Jahrhundert Novo Millennio Ineunte (Apostolisches Schreiben vom 6. Januar 2001) einzuarbeiten. Die nationalen Vereinigungen wurden an diesem Prozess beteiligt, besonders aber die 3. Internationale Versammlung unserer Vereinigung in Paris im November des vorigen Jahres, an der Schwester Ottilia Fischer von Wien-Gumpendorf und ich teilnehmen durften. Am 14. April dieses Jahres schließlich wurden die neuen internationalen Statuten von der zuständigen päpstlichen Kongregation genehmigt. Am 31. Mai hat unser Generaldirektor, Generalsuperior Gregory Gay CM, in einem Brief an alle Mitglieder die neuen Statuten vorgestellt und gebeten diese mit Liebe aufzunehmen. P. Enrique Rivas, CM, sein Stellvertreter und Subdirektor hat im Juni den Nationalverantwortlichen geschrieben und gebeten, bis Ende 2011 die Nationalstatuten den neuen internationalen Vorgaben anzupassen. Wir, d. h. die Diözesanverantwortlichen und ich, werden diese, wie es mir scheint, nicht leichte Arbeit beginnen und Sie liebe Mitglieder darüber auch informieren. Auf jeden Fall bitte ich Sie schon jetzt um Ihr besonderes Gebet dafür.

 

          Eine weitere aktuelle Meldung sei hier angeführt: Am 19. September 2010 hat Papst Benedikt XVI bei seinem Englandbesuch Kardinal John Henry Newman seliggesprochen. Newman war ein anglikanischer Theologe, der 1845 zum katholischen Glauben konvertierte. Am 22. August des Jahres 1845 begann er eine Wunderbare Medaille zu tragen. In Paris wurde zu dieser Zeit in der Kirche Notre Dame des Victoires schon eifrig für ihn gebetet. Am 9. Oktober schließlich trat er in die katholische Kirche über und wurde zu einem höchst einflussreichen Denker und Theologen, dessen Saat freilich erst im 20. Jahrhundert und hier wiederum beim Zweiten Vatikanischen Konzil aufgehen sollte.

 

          Die Medaille und das vertrauensvolle Gebet gehören untrennbar zusammen. Die Früchte solchen Gebetes werden zu gegebener Zeit aufgehen. Maria lehrt und hilft uns zu beten, um jetzt in den Anforderungen des Lebens bestehen zu können und sie hilft uns auch dem Reich Gottes zu dienen, wo manches bekanntlich langsam wächst.

         

          Mit Ihnen im Gebet, besonders aber in der Feier des diesjährigen Medaillenfestes Ende November, verbunden, grüßt und segnet Sie/Dich

 

 

 

Alexander Jernej CM